Die Schützenbruderschaft der Gemeinde Orsbeck-Luchtenberg

Warum gründete sich diese Schützenbruderschaft vor langer Zeit?

DIE ANFÄNGE - So sah es vorher aus

Im Früh- und Hoch-Mittelalter bot der Lehnsherr Schutz für seine Untertanen, dazu waren Abgaben zu entrichten. Diese Zeit war der Höhepunkt des Rittertums. Hier waren einst die „Herren von Orsbeck“, „Herren von Wassenberg“ und die „Herren von Heinsberg“ verantwortlich für diesen Schutz. Sie unterhielten ihre eigenen Soldaten und verhalfen ihren Untertanen so zu Sicherheit, Recht und Ordnung.

 

Aber im späten Mittelalter traten plötzlich Veränderungen ein!

Warum kam es zu einer Veränderung und war die Wehrhaftigkeit der Bevölkerung wurde plötzlich so aktiv? Denn, - die Schützen gab es ja nicht nur hier im tiefen Westen, sondern wurden über große Flächen des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation gegründet.

 

Das Chaos im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation - Das Interregnum

Ein großer Hinweis könnten die Folgen des „Interregnums“ sein, - der kaiserlose Zeit von 1250 bis 1273. Damit gehen wir ins 13. und 14. Jahrhundert zurück. Spätestens mit dem Tod Kaiser Friedrich II. (+ 1250) begann damals das große politische Chaos im Heiligen Römischen Reich. Während dieses Interregnums versuchten die Bischöfe und Fürsten ihre Ansprüche und Territorien im Reich zu vergrößern. Die Ordnung von oben fehlte und so folgten alsbald Kriege, Fehden und Konflikte. Die Ordnung und das Rittertum verfielen und die Lehnsherren verarmten. Damit entstand das große Problem des Raubrittertums.

Mitte des 14. Jahrhunderts existierte in Gripekoven eine Raubritterburg und im Jahre 1361 wird der Raubritter Strop von einem Schützen in den Mauern Wassenbergs erschlagen.

Die Orte, Städte und Gemeinden waren fortan auf sich alleine gestellt. In dieser Not und zur Rückerlangung der Sicherheit und Ordnung, bildeten sie Bürgerwehren aus. Es entstanden die Schützenbruderschaften und Schützengilden. Dies geschah in einer Zeit in der sich auch die großen Städtebünde bildeten, wie z.B. die Hanse. Aber auch für die Landesherren waren diese Schützen eine willkommene Ergänzung des bestehenden Militärs. Im Buch „Wassenberg“ von Heribert Heinrichs heißt es:

„In unserer Region darf Johann der Streitbare von Heinsberg als besonderer Förderer der Schützen angesehen werden. Er organisiert in seinen Territorien überall „Gesellen met hantbuysen unndt armborsten“, die „allzeytt bereit seyn, als man des an im gesynnet“ zur Verteidigung von Stadt und Burgen. Wassenberger Schützen müssen noch Jahre später im „criech zu Heynsberch“ zum Einsatz.

 

Das Ende der Militär-Miliz 

Das als militärisch zu bezeichnende Wesen der Schützengilden herrschte etwa in der Zeit vom 14. bis zur Mitte des 16. Jahrhundert vor. Ab dem 16. Jahrhundert jedoch wurden dann Verteidigung und Ordnung fast ausschließlich von bezahlten Söldnern übernommen. Dadurch verlor die militärische Funktion der Schützengilden immer mehr an Bedeutung. Um jedoch ihre bisherige Tätigkeit nicht einfach aufgeben zu müssen, gingen die Schützen dazu über, Feste mit Schießübungen und Wettbewerben zu veranstalten. Die ersten „Schützenfeste“ waren hiermit geboren.

 

Das militärische Ende unserer Schützen wird wahrscheinlich mit dem Übergang des Wassenberger Landes an das Herzogtum Jülich im Jahre 1494 verbunden sein. Die Jülicher regelten alles neu und bildeten hier vermutlich Mitte des 16. Jahrhunderts die neuen Land-Milizen, die in Dokumenten und Urkunden auch als Schützen bezeichnet werden. Hier sprechen wir dann aber von vereidigten Schützen.

Einen ersten zu findenden Hinweis auf eine Landmiliz weist eine herzogliche Verordnung von 1542, also im Zeitraum des Geldrischen Erbfolgestreites, von „Land=Macht“ spricht:

 

„Nr. 35 - - - (ohne Erl. Ort) im Octob. 1542. – A.

Aufgebot der bewaffneten Land=Macht zur Beschützung des bedroheten Fürstenthums Jülich.

 

Wir lesen hier also von einer Mobilmachung der Landesmilizen, - der für den Kriegs- oder Verteidigungsfall gemusterten Schützen. Die Situation veränderte sich also und die Bruderschaften waren bereits zum Ende des 16. Jahrhunderts/ Beginn des 17. Jahrhunderts nur noch „zu einem reinen Honoratioren- und Traditionsverein erstarrt“.

Betrachten wir die Orsbecker Schützenregeln von 1697 einmal, so besteht diese alte Satzung in ihrem Sinn und Wortlaut im Grunde nur noch aus Vereins- und Brauchtumsparagraphen. Militärisch-polizeiliche Regeln oder Dienste sucht man hier vergebens.

 

 

Die neuen Schützen – „DER BEWAFFNETE HAUSMANN“

Nach wie vor war in der Zeit des 17. und 18. Jahrhunderts jeder männliche Ortsbewohner verpflichtet, Beiträge zum Schutze der Gemeinschaft zu leisten, - auch sprach man bei diesen Bürgerwehren oder Milizen nach wie vor von Schützen, jedoch war deren genauere Bezeichnung „Amts- oder Landschütze“.

 

Blicken wir dazu ins Jahr 1600. Im Buch „Vom bewaffneten Hausmann zum Polizisten“ heißt es wie folgt:

1600 - Landmiliz – paramilitärischer Selbstschutz

In dem Edikt von 1600 wird angeordnet, dass für das Herzogtum Jülich „der innerlicher defension halben“, also für die innere Sicherheit, u.a. Führer über die ausgesetzten Schützen benannt werden sollen, weil diese Hauptleute, Fendrich und Leutnant und andere Befehlshaber über die ausgesetzten Schützen vorigen Landtag (1599?) abgedankt haben […]

Zu den Land- oder Amtsschützen ist anzufügen, dass die Ämter jeder männliche Bewohner mehrmals im Jahr zu den Schützen gemustert wurde. Hierzu trat eine Kommission, bestehend aus den Führern der Schützen (Hauptmann, Fähnrich und Leutnant) und einer oder mehrere Amtspersonen (Amtmann, Vogt) zusammen. Jeder männliche Ortsbewohner musste „sein guth Gewehr“ mitbringen […]

Die Ergebnisse dieser Musterungen wurden in einer sogenannten Musterrolle festgehalten, wovon eine dem örtlichen Schützenführer übergeben wurde und eine Musterrolle dem Landmarschall in Düsseldorf zuging. Die 1. und 2. Wahl dieser Amtsschützen wurde im Kriegsfall zur Landesverteidigung eingesetzt, während die 3. Wahl im Ort zur Verteidigung des Amtes zurückblieb.

In dem Edikt ist weiterhin angeführt, dass über 50 oder 60 Schützen Befehlshaber zu ernennen sind […]“

 

Somit sehen wir, dass es bereits offizielle Milizen gab, die von der herzoglichen Regierung bestimmt und eingesetzt wurden. Diese Amtsschützen waren für das Amt Wassenberg sowohl in militärischer, als auch in polizeilicher Funktion. Aber in ihrer Hauptfunktion hatten sie nach wie vor, ihre „normale“ Existenz. Im Buch heißt es dann weiter:

 

„[…] Die Männer hatten einen Beruf zum Broterwerb für sich und ihre Familie, an zweiter Stelle wurde nebenamtlich auch der Sicherheitsdienst durchgeführt und den dritten Platz in ihrem Leben nahmen die im Verlaufe der Zeit zugewanderten Amtsdienste ein und zum Schluß exerzierten sie am Sonntag nach der Messe auf dem Dorfplatz für den eventuell in ihrem Leben eintretenden Fall des militärischen Einsatzes. Nach diesem Edikt von 1600 ergehen bis 1609 nach Scotti noch 18 Edikte gegen Raub, Plünderungen, Brand und Mord. In dieser Zeit taucht auch der Name Landschütze erstmals auf. Bis dahin wurde immer nur von den „ausgesetzten“ Schützen oder „dem gemeinen Mann“ oder von „den bewaffneten Hausleut“ gesprochen. Darin sind auch enthalten die Verordnungen über eine „Tag- und Nachts-Wachordnung“ […]

Ein Bürger, der damals etwa 12 Stunden am Tag hart gearbeitet hat und nun noch Wache schieben oder Patrouillen gehen soll, ist wahrlich nicht der optimale Gegenspieler gegen herumstrolchende Räuberbanden.“

 

1779 wurde diese Funktion der Landmiliz dann vom Kurfürsten Karl Theodor als Herzog von Jülich aufgelöst. Was dann folgte war die zivile Landpolizei, dem Landtag und der Regierung unterstellt, - als Polizeiposten auf dem Land verteilt. 1794 folgte die französische Besatzung unter Napoleon, die das Polizeiwesen als Gendarmerie weiter ausbaute, bis die Preußen dies ab 1814 übernahmen.

 

 

 

Quellen:

 

(Recherche „Turmmuseum Orsbeck-Luchtenberg“, Christoph Steffens - Quellen:

Buch „Wassenberg“, Heribert Heinrichs / Aus der Vergangenheit der Schützenbruderschaft St. Martinus, Orsbeck, Alfred Gehlen, Aufzeichnung aus den 1980er Jahren / Festschrift zum Heimat- und Schützenfest zu Orsbeck 1960, „Unsere Jubilar-Schützenbruderschaft“, Franz Bürger / Sammlung der Gesetze und Verordnungen, welche in den ehemaligen Herzogthümern Jülich, Cleve und Berg und in dem vormaligen Großherzogthum Berg über Gegenstände der Landeshoheit, Verfassung, Verwaltung und Rechtspflege ergangen sind, Johann Josef Scotti, Düsseldorf, 1821-1822 / „Vom bewaffneten Hausmann zum Polizisten“, Heft Nr. 16, Alwin Reiche, Verlag des Jülicher Geschichtsverein, 1997 / Stichwortsuche in Wikipedia / Jülich, Stadtarchiv, „Die Geschichte der Stadt Jülich“ in vier Bänden von Prof. Dr. Josef Kuhl, 1897, Bd. IV, S.180 u. 189 / Dokumente Pfarr-/Kirchenarchiv)

 

 

Die St. Martini Schützenbruderschaft Orsbeck-Luchtenberg von 1460

 Seit mindestens 1460 bildet die St. Martini Schützenbruderschaft ein festes Fundament der Ortsgemeinschaft Orsbeck-Luchtenberg. In den 1960er Jahren fanden die Myhler Schützen bei einer eigenen Recherche im Diözesanarchiv Lüttich zufällig eine namentliche Nennung der Orsbecker Schützenbruderschaft in den Dokumenten des Jahres 1460.

Dabei ist zu beachten: Es handelte sich hier um eine Erwähnung und nicht um das Gründungsjahr. In der Folge setzten unsere Vorgänger dieses Jahr einst als Gründungsjahr an.

Der Orsbecker Silbervogel als Teil des Königssilbers dokumentiert als ältester Nachweis noch heute das Jahr 1510. Weitere erhaltene Silberplatten stammen aus dem 17. bis 20. Jahrhundert. Die noch erhaltenen Orsbecker Schützendokumente beginnen leider erst im Jahre 1697. Alles was davor liegt, ist in der Vergangenheit und in den Archiven bislang verschollen. 

Aber auch heute noch gestaltet unsere Bruderschaft aktiv das Dorfleben mit. Derzeit findet die Kirmes in Orsbeck-Luchtenberg nur alle 2 Jahre statt. 2017 hat sich ein neugewählter junger Vorstand zur Aufgabe gemacht, diese Tradition wieder stärker zu beleben und das alte Flaggschiff sicher in die Fahrwasser des 21. Jahrhunderts zu führen.

Die Schützen unterhalten einen kleinen Luftgewehrschießstand im Orsbecker Pfarrheim und wollen auch verstärkt wieder die Jugend an die Tradition des Schützenwesens heranführen. Es ist wichtig diese kostbare Tradition auch für die nachfolgenden Generationen zu erhalten.

 

Verbunden mit der spannenden Geschichte Orsbeck-Luchtenberg´s und unserer uralten Pfarrkirche St. Martinus möchten wir auch in Zukunft ein festes Stück Heimat abbilden.

 

Wer Lust hat mitzumachen und wer nähere Informationen sucht, wenden sich bitte an unseren 1. Brudermeister:

Christoph Steffens: christophsteffens@web.de

oder über das Pfarrbüro in Orsbeck