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Pfarrbrief der Pfarrei St. Marien Wassenberg

 


 

Pfarrbrief St Marien

Pfarrbrief Oktober 2021

Liebe Schwestern und Brüder,

 

Manfred Lütz: „Unvermeidlich glücklich“ – dies war das Thema eines Vortrages in der Aula der Betty-Reis-Gesamtschule, die in Kooperation mit der Stadt Wassenberg von unserer Pfarrei veranstaltet wurde.

Schalk in den Augen, Kölscher Humor vom Feinsten, bei dem man wirklich lachen konnte – und tiefgründige Aussagen, bei denen es im Saal mucksmäuschenstill war, weil alle sich direkt angesprochen fühlten und spürten: „Dies ist etwas für mein Leben!“ Nur wenige Redner in Deutschland beherrschen die Kunst, Humor und realistische Lebenskunst so zu verbinden wie dieser (inzwischen) pensioniert Chefarzt. 

Eine der Kernaussagen zum Thema „Glück“: Wenn man etwas tut, was in sich sinnvoll und gut ist und was man daher nicht zuerst für sich tut, sondern wenn man es tut, weil es an sich und für andere gut, wenn man so von sich absehen kann, stellt sich das Glück ein, ohne dass man in diesem Augenblick, weiß, dass man glücklich ist, weil man in die Sache vertieft ist. Also auch eine indirekte Anfrage an das laufende „Sachen-bewusst-tun“, weil gerade in der Selbstvergessenheit (so Manfred Lütz) das Glück lauert.

Sehr überrascht hat mich auch seine Aussage, dass Glück nicht unbedingt an Erfolg gekoppelt ist. Was ich bisher immer dachte. Aber wahrscheinlich stimmen ihm dabei viele erfolgreiche Zeitgenossen zu, die Ruhm, Applaus und Geld in Fülle eingeheimst haben – ohne wirklich glücklich zu sein. (Und die dann oft eine Stiftung gründen – für andere, Benachteiligte und wahrscheinlich spüren sie, dass genau dies gut ist, das Herz erfüllt, und dann - ist das Glück da!)

Und so heißt denn auch der Untertitel seines Buches (Titel s.o.) „Eine Psychologie des Gelingens“. Also ist „Gelingen“ etwas anderes als „Erfolg“. „Gelingen“ wird von der Sache selbst her definiert, „Erfolg“ von dem Applaus und der Anerkennung der anderen. Und genau das macht offensichtlich den kleinen, aber feinen Unterschied aus: die innere Unabhängigkeit des Gelingens von der Meinung und dem Applaus der anderen. Und wer von uns könnte nicht einen guten Schuss dieser Unabhängigkeit in seinem Lebenspraxis gut vertragen?!

Und so endete ein schöner Vortragsabend zu einem wichtigen Thema und vermutlich ging jeder etwas verändert nach Hause.

Seit diesem Abend ist mir klarer, dass vieles, was ich tue, in sich wirklich sinnvoll ist und so bin ich dadurch bescheidener und zufriedener und wohl auch etwas glücklicher geworden.

Und von diesem stillen und kleinen Lebensglück wünsche ich Ihnen auch eine große Portion.