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Pfarrbrief der Pfarrei St. Marien Wassenberg

 


 

Pfarrbrief St Marien

Pfarrbrief März 2026

Liebe Schwestern und Brüder in der Fastenzeit,

seit einigen Tagen nehme ich an einem spirituellen Trainigsprogramm teil, bei dem es auch um Verzichte geht.

Über einige dieser Erfahrungen möchte ich berichten: so geht es dabei zum einen darum, auf social media und überflüssiges Rumstöbern im Internet zu verzichten. Das wurde uns am Anfang gesagt und ich habe das auch akzeptiert. Was mich nicht daran hinderte, weiterhin zeitraubende Video-Clips anzuschauen und mich in Zeiten der Unsicherheit in Nachrichten-Portale zu stürzen, die zwar interessante Informationen liefern, aber der Absicht des Programms voll entgegenliefen! Erst nach 3 Wochen wurde mir überhaupt bewusst, dass ich komplett gespalten lebte: einerseits stimmte ich dem Verzicht völlig zu, andererseits habe ich die alten Konsum-Gewohnheiten überhaupt nicht geändert! Seit mir dies schmerzhaft bewusst geworden ist, bemühe ich mich ernsthaft – und langsam ändert sich meine Flucht-aus-dem-Alltag-Gewohnheit! Ich erzähle dies hier, um mir und – wen es interessiert – deutlich zu machen, wie tief diese Gewohnheiten in uns einwurzeln können.

Das zweite ist unkontrolliertes Essen von Kleinigkeiten („Naschen“) (klingt furchtbar altmodisch, ich weiß, aber je demütigender und offenlegender, umso wirkungsvoller!)  – bei allen möglichen und unmöglichen Gelegenheiten.

Es gibt bestimmte Situationen, da fällt es mir superschwer, mich zu kontrollieren, um nicht zu sagen, da schaffe ich es (fast) nicht, mich zu beherrschen. Da gibt es nur die Null-Toleranz-Lösung („zero-tolerance“).

Und neulich habe ich dann nach einiger Zeit doch nachgegeben und bemerkte zu meinem Entsetzen, dass es wie ein Dammbruch war! Also durchaus einem Suchtkranken vergleichbar, der abstinent lebt und dann rückfällig wird. War nicht schön. Zeigt mir, dass es suchtmäßige Gewohnheiten in meinem Leben gibt.

Ich schreibe diese Erfahrungen, um zu sensibilisieren: „Wo verliere ich Freiheiten in meinem Leben bzw. habe ich sie schon verloren, ohne es überhaupt gemerkt und es mir eingestanden zu haben? Wo kann und will ich gegensteuern? Und am wichtigsten: Welche Verbündeten, welche Gesprächspartner suche ich mir dafür? Denn aus den meisten dieser verborgenen Alltags-Süchte, in die ich allein reingerutscht bin, kann ich mich allein nicht befreien. Ich brauche Hilfe von anderen  - von Menschen und auch spirituelle Hilfe von Gott, durch Gebet und gottesdienstliche und sakramentale Stärkung.

 

In diesem Sinne Ihnen eine schöne, ehrliche, erfolgreiche, freisetzende und gesegnete Fastenzeit!